Von Null auf Erleuchtung
Wie so oft, wenn man etwas Neues anfängt, sind die Erwartungen anfangs hoch. Manchmal vielleicht sogar zu hoch. Warum sollte also ausgerechnet ich der Meister sein, der wider besseres Wissen plötzlich vom Himmel fällt?
Ich mag vielleicht eine besondere Begabung haben, doch selbst die braucht regelmäßige Übung, um zu echtem Können zu werden. Wenn sich also Frust breitmacht, weil sich nicht gleich nach der ersten Runde auf dem Meditationskissen die Erleuchtung einstellt, sollte man sich nicht zusätzlich unter Druck setzen. Dadurch wird es nicht besser – im Gegenteil.
Viel wichtiger als schnelle Erfolge ist die eigene innere Motivation. Warum meditiere ich überhaupt? Welche Veränderung erhoffe ich mir? Und welchen Einsatz bin ich bereit, dafür zu leisten?
Wenn man manchen Fachbüchern und Anleitungen Glauben schenken darf, hilft viel tatsächlich viel: tägliche Praxis, mindestens zwei Stunden am Stück. Die wenigsten Menschen können das jedoch in ihren Alltag integrieren. Früher aufzustehen, um morgens Zeit zum Meditieren zu finden, mag für manche funktionieren. Wer sich ohnehin schon um fünf Uhr aus den Federn quält, kann darüber nur (sehr) müde lächeln.
Also lieber gleich wieder lassen? Bringt ja ohnehin alles nichts? Mit dieser Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität macht man es sich zwar leicht, weiter kommt man damit jedoch nicht. Die wenigsten Ziele im Leben erreiche ich über Nacht und ohne jede Anstrengung. Oft sind es vielmehr viele kleine Schritte, Beständigkeit und Durchhaltevermögen, die zum Ziel führen.
Statt also enttäuscht aufzugeben, weil sich der gewünschte Erfolg nicht umgehend einstellt, sollte man nachsichtig mit sich selbst sein. Jede Übungseinheit bringt uns ein kleines Stück weiter – selbst dann, wenn es sich nicht immer so anfühlt. Es gibt gute und weniger gute Tage, an denen man sich mal besser und mal schlechter konzentrieren kann. Doch auch wenn die eigene Konzentration einmal überhaupt keine gute Tagesform hat, darf man stolz darauf sein, sich die Zeit für die Übung genommen zu haben.
Und je öfter wir während der Meditation feststellen, dass wir gedanklich wieder abgeschweift sind, desto öfter haben wir uns erfolgreich daran erinnert, die Aufmerksamkeit zurück auf unseren Atem zu lenken. Es ist also gar nicht schlimm, wenn man nicht gleich meisterhaft startet. Vom Himmel zu fallen ist schließlich auch gar nicht so erstrebenswert. Sonst entgehen einem viele kleine Erfolge auf dem Weg. All die Erfahrungen, die aus einem Anfänger einen Meister machen, erwirbt man nun einmal nicht von heute auf morgen.
